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Inklusion und Schule » Sonderpädagogische Förderschwerpunkte und Autismus » FS Hören » Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs

Feststellung des sonderpäd. Förderbedarfs

Im Sinne einer ressourcenorientierten Förderdiagnostik geht es nicht darum, den Fokus ausschließlich auf Auffälligkeiten zu richten. Vielmehr müssen bei der Beobachtung auch Stärken, Interessen und Entwicklungspotenziale wahrgenommen werden, an denen Fördermaßnahmen ansetzen können.

Erste Indikatoren, die sich im Unterricht zeigen, sind:

Störgeräusche

  • empfindlich bei Lautstärke
  • können Geräuschquellen nicht orten
  • leicht durch Nebengeräusche ablenkbar; Unterscheidung zwischen Nutz- und Störschall extrem anstrengend
  • reduziertes Sprachverständnis
  • bei Störgeräuschen: Hohe eigene Lärmproduktion

Körperhaltung

  • unsichere Raumorientierung
  • fehlende Körperspannung, Koordinationsstörungen

Verhalten

  • der / die Beeinträchtigte reagiert nicht auf Ansprache
  • wenig Selbststeuerung / schwieriges Verhalten
  • häufige Konflikte
  • unstrukturierte Arbeitshaltung
  • schneller Konzentrationsabbau, rasche Ermüdung
  • starke visuelle Orientierung
  • der / die Beeinträchtigte spricht selbst sehr laut
  • wirken verloren und „isoliert“
  • wirken unkonzentriert

Sprache

  • unvollständig Wahrgenommenes muss ergänzt und kombiniert werden
  • häufige Missverständnisse
  • häufiges Nachfragen
  • auditive Merkfähigkeit ist eingeschränkt
  • eingeschränktes Aufgabenverständnis
  • Anweisungen der Lehrkraft werden nicht sofort befolgt, stattdessen: Orientierung am Sitznachbarn / an der Sitznachbarin
  • bessere Leistung in der Einzelsituation / Kleingruppe  als in der Klasse
  • unsicherer Wortschatz und Satzbau
  • häufig komorbid: Lese- und / oder Rechtschreibstörung

Fachärztliche Diagnosestellung und pädagogisch-audiologische Beratungsstelle

Die medizinisch-audiologische Untersuchung erfolgt durch Fachärztinnen und Fachärzte im Bereich HNO oder Pädaudiologie. Sie stellen fest, ob ein Hörverlust vorliegt. Mit dem ärztlichen Befund können technisch-audiologische Versorgungen eingeleitet werden.

Ergänzend dazu sind die pädagogisch-audiologischen Beratungsstellen (PABs) an den Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt Hören Ansprechstellen für Schulen und Familien, die Kinder und Jugendliche mit einer diagnostizierten oder vermuteten Hörbeeinträchtigung begleiten. Dem Personal der PABs kommt dabei eine zentrale Rolle zu, da es den sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Hören feststellt. Dabei klärt es aus pädagogischer Sicht, wie sich Hören und Kommunikation bei dem jeweiligen Kind auf das Lernen und die schulische Teilhabe auswirken. Medizinische und pädagogische Diagnostik ergänzen sich somit sinnvoll und bilden gemeinsam die Grundlage für eine passgenaue Unterstützung.

Besonders die Abklärung einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) erfordert eine differenzierte Betrachtung, da die Symptome häufig denen anderer Entwicklungsstörungen ähneln. Für eine verlässliche Diagnostik müssen daher medizinische Befunde, pädagogische Einschätzungen sowie weitere entwicklungsbezogene Untersuchungen gemeinsam berücksichtigt werden, um geeignete Unterstützungs- und Fördermaßnahmen abzuleiten.

Beratung durch den MSD-H

Der MSD-H unterstützt die Lehrkräfte der allgemeinen Schule bei der adäquaten Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im Bereich des Hörens.

  • Solange (noch) keine fachärztliche Diagnose vorliegt, können zunächst die schulartspezifischen Beratungsdienste und i. d. R. die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste des regional zuständigen Förderzentrums zur Unterstützung hingezogen werden. Das multiprofessionelle Team der Schule im Bereich Inklusion kann bereits erste Bereiche eines möglichen Settings andenken. Individuelle Unterstützungsmaßnahmen können und sollten immer erfolgen und bedürfen keiner Genehmigung (wie das z. B. bei Maßnahmen im Rahmen des Nachteilsausgleichs oder des Notenschutzes der Fall wäre).
  • Nach der fachärztlichen Diagnosestellung kann der MSD-H zur Beratung angefordert werden.

Auf Grundlage der Diagnostik und des festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarfs im Bereich Hören berät der MSD-H Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte. Er begleitet schulische Prozesse und gibt Empfehlungen zu geeigneten Hilfsmitteln, deren Einsatz und Nutzen sowie zu passenden Fördermaßnahmen im Bereich Hören und Kommunikation. Darüber hinaus informiert er über mögliche und adäquate Maßnahmen zum Nachteilsausgleich und Notenschutz.